Blogger Honorare & Kooperationen: Diese 5 Stolperfallen solltest du unbedingt beachten!

Seit meinem letzten Blogpost zum Thema „Blogger Honorare & Kooperationen“ hat sich viel getan. Ich hatte dir in diesem Blogpost einen sehr persönlichen Einblick gegeben, wie viel ich momentan mit meinem Blog verdiene und wie du deinen Preis berechnen kannst. Da ich in den letzten Monaten mehrere größere Kooperationen über meinen DIY Blog Madmoisell realisiert habe, möchte ich dir heute wieder sehr persönliche Erfahrungen mitgeben, die ich daraus gelernt habe. Denn: Auch wenn ich mich als profesionelle, erfahrene Bloggerin bezeichnen würde, stolpere ich auch immer wieder über einige Punkte und habe meine Lektion daraus gelernt. Damit DIR nicht die gleichen Fehler passieren, solltest du jetzt aufmerksam lesen. 😉

Wichtig: Ich möchte mit diesem Blogpost KEINE Grundsatzdiskussion über das Geld starten („sollen Blogger Geld verdienen“ oder „Du verdienst zu viel Geld“), sondern dir lediglich von meinen Erfahrung berichten und für Transparenz sorgen (da mir das anfangs super weitergeholfen hätte). Alle genannten Punkte basieren auf meiner Erfahrung im PR-Bereich sowie vielen Gesprächen mit anderen Bloggern. Selbstverständlich laufen 95% aller Kooperationen positiv und fair ab. Leider sind ab und zu schwarze Schafe dabei, die ich mit diesem Blogpost thematisieren möchte. Dieser Post soll also nicht die gesamte Blogger-Branche verteufeln, sondern soll lediglich auf einige, wichtige Punkte aufmerksam machen.

Stolperstein 1) Arbeite niemals kostenlos!

Ich weiß, diesen Punkt habe ich schon sehr oft erwähnt. Leider sehe ich immer noch täglich (auch von Bloggern, bei denen ich es nicht erwarten würde 😀 ) Instagram-oder Blogposts, in denen man sich munter für Produkt XY bedankt, das ja auch so toll ist und gnädigerweise von Firma YZ zugeschickt wurde. Ich erhalte täglich ungefragt Pakete an die in meinem Impressum vermerkte Adresse, obwohl dort dick und fett steht, dass man mir nichts ungefragt zuschicken soll. Warum? Weil viele Firmen immer noch darauf pokern, dass man doch über das Produkt berichtet, da es sich für Firmen hier um geschenkte Werbung handelt. Ich glaube, vielen Bloggern ist immer noch nicht bewusst, WIE wertvoll ihr Blog/Instagram-Account ist und dass auch kleine Reichweiten sehr wohl für Firmen relevant sind (Stichwort Mikro-Influencer). Für Firmen ist es z.B. sogar schon Gold wert, wenn du „nur“ einen Instagram-Account mit 1000 Followern besizt, aber ein hübsches Foto von den kostenlos zur Verfügung gestellten Produkten machst. Warum? Weil viele Firmen insbesondere auf Instagram dein hübsches Foto reposten werden und somit User-generated-Content zu Werbezwecken quasi kostenlos bekommen. Kannst du dir vorstellen, WIE VIEL Geld es diese Firma kosten würde, solche Fotos profesionell erstellen zu lassen und für Werbezwecke nutzen zu dürfen? Da wäre noch ein Honorar von 50€ für ein Instagram-Posting nichts dagegen! Kürzlich hat mir eine aufmerksame Leserin etwas ganz perfides geschickt: Kosmetikhersteller XY wirbt vor seinen Kunden damit, einen bestimmten Hashtag zu nutzen. Was der Kunde nicht weiß: Auf der Website von Kosmetikhersteller XY befinden sich Teilnahmebedingungen, denen man automatisch zustimmt, wenn man diesen Hashtag verwendet. Diese Bedingungen berechtigen dann die Firma, das Bild überall zu Werbezwecken nutzen zu dürfen. Bezüglich der Instagram-Firmen, die auf kostenlosen Content von Bloggern zählen, könnte ich vieeele Beispiele nennen: Uhrenhersteller, Schreibwarenshops, Wollhersteller… Du würdest doch auch nicht einfach kostenlos zur Arbeit ins Büro kommen, weil dein Chef z.B. sagt, es sei eine Ehre, an diesem Arbeitplatz zu arbeiten, oder? Mache dir ganz klar bewusst, dass es sich bei allem, was du für deinen Blog tust (auch für nicht-gesponserte Blogpost) um DEINE Arbeitszeit handelt. Und rechne mal nach, wie viel dich allein das Equipment kostet, um deinen Blog fortzuführen. Bei mir sind das locker:

  • Zwei Kameras: Um die 2.500€
  • Webhosting und technischer Support: variabel, ca. 10€ pro Monat
  • iMac für Videoschnitt: 1.700€
  • Software für Videoschnitt: 400€
  • Und nicht zu vergessen: Deine eigene Arbeitszeit, die dir niemand bezahlt! Bei mir sind das mindestens 15h pro Woche, bei Kalkulation mit einem Stundensatz von 15€ komme ich auf 900€ pro Monat, die ich eigentlich auf Dauer mit meinem Blog einnehmen muss, um keinen Verlust zu machen (von irgendwas muss ich ja auch leben :D)

Klar, wenn du mit befreundeten Bloggern oder Unternehmen auf freundschaftlicher Basis arbeitest, dann musst du dich nicht stoisch daran halten. Ich verlinke meine Freunde natürlich gerne (obwohl das XY€ Wert sei) und produziere im Gegenzug für kostenloses Setting und profesionelle Unterstützung z.B. Videos für den Cupcakeladen in Berlin. Hier heißt es immer, für dich die richtige Lösung zu finden, aber niemals zu vergessen, dass du Liebe, Zeit und Geld in deinen Blog steckst.

Stolperstein 2) Kontakt mit Kooperationspartnern & Psychologische Druckmittel

Wir sind uns einig darüber, dass du niemals kostenlos arbeiten solltest. Wahrscheinlich hast du schon Kooperationsanfragen erhalten oder befindest dich gerade mitten in einer größeren Kooperation. In beiden Fällen erlebe ich es sehr oft, dass (vermutlich bewusst gewollt) psychologische Druckmittel eingesetzt werden, um den Blogger zu verwirren oder zu täuschen.

Ganz zu Anfang von Kooperationen bekomme ich oft folgende Mails:

  1. „Das Feature in unserem Firmenkatalog (für das ich exklusiven Content produzieren soll) ist eine tolle Chance für dich, da unser Katalog deutschlandweit  x-Tausend Leser erreicht“
  2. „Der der von dir (kostenlos!) geleitete Workshop ist eine tolle Chance, um deinen Blog an viele Tausend Leser zu promoten!“

Ganz ehrlich: Nein, nein, nein! Wenn jemand etwas von mir möchte und ich dafür meine Arbeitszeit zur Verfügung stelle, dann muss das Unternehmen auch dafür zahlen! Die Begründung, dass das ein tolles Feature wäre, bringt mir nix. Da erreiche ich z.B. mit einem viralen Video auf Facebook mehr, sorry!

Wenn ich zum ersten Mal meine Preisliste schicke, kommt ganz oft folgende Antwort:

  1. „Da dein Blog noch recht neu/klein ist und/oder in den Kinderschuhen steckt, können wir dir leider nur ein Honorar von X€ anbieten“ (ca. 30% des von mir geforderten Preises)
  2. „Solche hohen Summen haben wir mit unserer ganzen Agenturerfahrung noch nie an Blogger gezahlt“ oder „Ich (Angestelle/r bei Firma XY) komme sebst aus der Blogger-Branche und finde, dass dein Honorar weit über dem normalen Budgets liegt.“

Leider weiß ich dank meiner eigenen Erfahrung in einer PR-Agentur, vielen Verhandlungen und Gesprächen mit anderen Bloggern ganz genau, was für hohe Summen an andere Blogger oder auch allgemein zu Werbezweckengezahlt wird. Zudem macht es für mich keinen Sinn, wenn Agentur X meine Honorare ohne Diskussion akzeptiert und Agentur Y findet, dass ich für einen Bruchteil dieses Preises arbeiten soll.

Wenn schon alles abgemacht ist, soll ich Verträge „so schnell wie möglich“ unterschreiben:

Auch hier vermuten meine Blogger-Kollegen und ich Kalkül, denn uns ist das schon SO oft passiert: Alles steht, man will loslegen (weil man als Blogger natürlich auch mit Deadlines arbeitet) und dann kommt folgende Mail: „Könntest du diesen Vetrag so schnell wie möglich unterschrieben zurückschicken?“ Im Vertrag sellbst stehen Punkte, denen ich NIE zustimmen würde: Ich soll meine Bildrechte beispielsweise komplett abtreten, was insbesondere für Werbezwecken normalerweise extrem teuer ist! Mehr dazu habe ich unten nochmal beschrieben. 🙂

Stolperstein 3) Keine Angebote oder Verträge aufgesetzt

Oh ja, ein sehr dummer Fehler, der mich leider auch schon passiert ist. Meist habe ich darauf gewartet, bis ich von Agenuren oder Firmen Verträge bekomme. Manchmal war das aber nicht der Fall und ich habe selbst nicht nachgefragt. Nomalerweise geht alles gut, aber falls dann doch mal Dinge schief laufen (Kunde verweigert z.B. Annahme des produzierten Contents), stehst du mit Vertrag und klaren Absprachen viel besser da! Daher solltest du dich einmal bevor du anfängst zu arbeiten mit einem schriftlichen Angebot zu allen von dir zu erbringenden Leistungen absichern. Der Kunde muss dir dieses Angebot dann bestätigen. Ich arbeite seit kurzer Zeit nur noch mit eigenen AGBs, wo ich nochmal genau vermerke, wann ich Korrekturschleifen nicht leisten muss (z.B. wenn ich mich 1:1 an das Briefing gehalten habe) und wann ich sie in welcher Zeitspanne leiste. Besonders, wenn du schon profesioneller bloggst, kann ich dir das nur empfehlen.

Stolperstein 4) Bildrechte

Ein ganz wichtiger Punkt, den man als Laie (wenn keiner einem das sagt) schnell falsch macht. Meine Grundprinzipien bei Bildrechten lauten folgendermaßen:

  1. Ich stelle kostenlos (nur zu diesem einen Zweck und mit Credit) bestehende Bilder zur Verfügung, wenn es sich um Anfragen größerer Magazine/Zeitungen mit Interview von mir handelt, denn das kann ich später super als Clipping nutzen („Madmoisell in der Elle, Vogue und Freundin“ klingt einfach gut :D)
  2. Für werbliche Zwecke (z.B. Firmenkatalog) berechne ich ein Honorar zwischen 150-200€ pro Bild.
  3. Für Magazine, die das Bild ohne Interview nutzen möchten, gilt dasselbe.
  4. Exklusiven Content produziere ich nie kostenlos (auch nicht für ein noch so tolles Feature!). Hierfür rechne ich mit meinem Stundensatz (80€) und zusätzlichen Nutzungsrechten, die bei werblichen Nutzungen natürlich höher sind.

Stolperstein 5) Korrekturschleifen und nachträgliche Änderungen

Das ist auch ein wichtiges Thema, bei dem ich selbst schon viele Fehler gemacht habe: Ich halte mich 1:1 an Briefings, aber der Kunde möchte nachträgliche Änderungen. Mehrmals haben Agenturen schon die komplette Neuproduktion von meinem Content gefordert, und das, obwohl ich mich an das Briefing gehalten habe und womöglich die Agentur einen Fehler gemacht hat, weil sie z.B. etwas vergessen hat. Wichtig: Wenn du beweisen kannst, dass du dich an das Briefing gehalten hast, solltest du NIE kostenlos neu produzieren. Du stehst auch nicht in der Pficht, alles neu zu machen. Klar, wenn im Briefing steht „keinen bunten Untergrund beim Fotografieren verwenden“ und du fotografierst auf knallpinkem Untergrund, dann hat der Kunde natürlich Ansprüche auf Neuproduktion. 🙂 Hier ist es immer wichtig, sich eigene Fehler fair einzugestehen aber sich auf der anderen Seite nicht ausnutzen zu lassen.

So, das war’s für heute von mir. Ich könnte noch seitenweise über meine Erfahrungen berichten und werde bestimmt einen weiteren Blogpost zu diesem Thema verfassen. 🙂 Wenn ihr noch mehr zum Thema Blogger-Kooperationen wissen wollt: Meine Kollegin Laura von trytrytry.de und ich haben kürzlich die Fair Blogging Community ins Leben gerufen! Passend zu unserer Community ist seit heute unser Fair Blogging Online-Kurs erhältlich, in dem wir unser erprobtes Wissen zu Blogger Kooperationen weitergeben und über Themen wie Mediakits, Preise, Verhandeln und Ablauf von Kooperationen sprechen. Klicke hier, um mehr zu erfahren und dir deinen Zugang zu unserer Facebook-Community zu sichern!

 

Liebe Grüße

<Caro2

7 Gedanken zu „Blogger Honorare & Kooperationen: Diese 5 Stolperfallen solltest du unbedingt beachten!

  1. Toller und hilfreicher Beitrag – danke!

    Mich würde mal interessieren, ob man die PR-Samples, die man einfach so zugeschickt bekommt auch in der Steuererklärung berücksichtigen muss. Weißt du da etwas genaueres?

  2. Vielen Dank für die tollen Tipps! Möchte demnächst meinem Blog erneuern und ein bisschen auffrischen. Es ist übrigens ein Beautyblog und mir fehlen einfach die Ideen! Jeder stellt mittlerweile schon Trend Editions und Sortimentswechsel vor. Das ist einfach kein neuer, frischer Content! Naja, mal schauen, ob mir was Gutes einfällt!😊

  3. Vielen Dank für diesen sehr informativen Beitrag. Ungefragt erhalte ich zwar noch keine Sachen zugeschickt. Aber man erwartet von mir, dass ich für die Zusendung einer Produkts von vielleicht 5 Euro Wert, Bilder auf zig Netzwerken poste und zig Testberichte im ganzen Internet verteile. Und ich soll natürlich meine Rechte an den Bildern abtreten.
    Daher bin ich froh, deinen Blog gefunden zu haben. Meine Reichweite ist natürlich noch eher bescheiden, aber ich schätze, mehr als 5 Euro in Form eines Produkts kann ich dann wohl doch erwarten, auch wenn mein Blog „nur“ ein Hobby ist.
    Ich nehme daher solche Dinge nur an, wenn ich am Produkt selbst ein persönliches Interesse habe und es früher oder später auch gekauft hätte. Ich erlebe es aber immer, dass man total abwertend über mich oder meinen Blog spricht, sobald ich mehr will, als das Produkt im Wert von 5 Euro. Das scheint wirklich Methode zu haben.
    Ich finde es daher gut, dass du genau das hier so offen ansprichst. Das traut sich sonst niemand, aus Angst, potentielle Koorperationspartner zu verscheuchen.

  4. Hallo Caroline, Deinen Blog habe ich eben erst (via LexasLeben) entdeckt. Die Beispiele und Stolpersteine finde ich sehr spannend und lehrreich – und ja, wenn Du noch mehr Beispiele hast, nur her damit, würde ich sagen… Meine Blogs sind zwar meiner Meinung nach momentan noch zu klein, um ernstgemeinte Angebote zu erhalten, aber es ist immer schön, zu sehen, dass man nicht alleine dasteht oder Beispiele zu finden, was alles „probiert“ wird. Liebe Grüsse, Miuh

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